Das zweistufige Bankensystem

Wir haben ein zweistufiges Bankensystem. Es gibt die Zentralbank, die die einzige Bank ist, die gesetzliches Zahlungsmittel herausgeben darf. Dann gibt es die Geschäftsbanken, von denen jede ein Sichtkonto bei der Zentralbank besitzt. Die Kontonummer dieses Sichtkontos ist übrigens die Bankleitzahl der betreffenden Geschäftsbank.

Geschäftsbanken vergeben Kredite gegen Sicherheiten an Nicht-Banken. Dazu schaffen sie ihr eigenes Geld, das Geschäftsbankengeld, was sie dem Kreditnehmer auf dessen Konto überweisen. Es handelt sich dabei nicht um gesetzliches Zahlungsmittel, obwohl es so benutzt wird. Zu einem geringen Prozentsatz der gesamten „Kundeneinlagen“ einer Geschäftsbank, momentan 2% bei der EZB, müssen die Geschäftsbanken Zentralbankgeld halten. Einen Teil davon halten sie in Bargeld z.B. in den Bankautomaten. Überschüsse werden auf dem Konto bei der Zentralbank gehalten und dort verzinst.

Kredite unter den verschiedenen Geschäftsbanken können nur mit Zentralbankgeld getilgt werden. Daran sieht man auch, dass nur Zentralbankgeld echtes Geld ist, und Geschäftsbankengeld (Giralgeld) nur eine Geldforderung. Wenn Herr Müller bei Bank A Herrn Zimmer bei Bank B €1.000,- überweist, hat Bank B eine Forderung an Bank A von €1.000,- und Bank A eine Verbindlichkeit von €1.000,- gegenüber Bank B. Also muss Bank A €1.000,- von ihrem Zentralbankkonto an das Konto der Bank B überweisen. Mit ihrem selbst geschaffenen Giralgeld, das ja auf der Passivseite ihrer Bilanz liegt und somit auch eine Verbindlichkeit darstellt, kann Bank A Bank B nicht bezahlen.

Die Zentralbank vergibt Kredite an die Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken refinanzieren sich bei der Zentralbank. Dazu brauchen sie zentralbankfähige Sicherheiten (Wertpapiere). Die Zentralbank stattet die Geschäftsbanken mit Bargeld aus, das von den Kunden der Banken an den Schaltern oder Bankautomaten angefordert wird. Die Summe des in Umlauf befindlichen Bargeldes wird somit von der Nachfrage der Wirtschaftsteilnehmer bestimmt. Wenn die Nachfrage nach Bargeld steigt, so müssen sich die Geschäftsbanken dieses bei der Zentralbank besorgen.

Man kann also sagen, dass die Zentralbank keine Kontrolle über die Bargeldmenge hat, auch nicht über den Leitzins. Die Zentralbank muss so oder so die Nachfrage des Volkes nach Bargeld befriedigen. Tut sie dies nicht, so müssen Bankschalter eventuell geschlossen werden, was zu einem sogenannten „Bank-Run“ führen kann.

One Response to Das zweistufige Bankensystem

  1. Anno sagt:

    „Man kann also sagen, dass die Zentralbank keine Kontrolle über die Bargeldmenge hat, auch nicht über den Leitzins.“

    bin mir nicht sicher, ob man das so stehen lassen sollte….

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